Zweiter Versuch für Arnaud Jacquemet und Servette

22.12.2016

Vor zwei Jahren verlor Genf-Servette im Swiss Ice Hockey Cup im Halbfinale Kloten 1:2. Diese Saison möchten es die Genfer besser machen und sich fürs Finale qualifizieren. Die Mission der Genfer wird sich aber nicht als einfach erweisen, ist der Gegner am 4. Januar mit dem EV Zug eine der besten Mannschaften der laufenden Saison.

Genf-Servette ist nur noch einen Schritt vom Cup-Finale entfernt, aber es ist kein einfacher. Der EV Zug streitet sich mit dem SC Bern und den ZSC Lions um die Tabellenführung. Der Servette-Verteidiger Arnaud Jacquemet erwartet am 4. Januar in der Eishalle Vernets einen starken Gegner. „Zug ist eine Mannschaft, die schnell spielt und mit Tobias Stephan auf einen der besten Torhüter der Liga zählen kann“, warnt er.

Das Rezept um weiterzukommen ist laut ihm das Resultat so lange wie möglich zu halten. „Wenn Zug an Selbstvertrauen gewinnt, sind sie schwierig handhaben. Man muss auch dafür sorgen, ihnen so wenig Raum wie möglich zu geben, da ihre läuferische Schnelligkeit beeindruckend ist“, sagt Jacquemet, der als Walliser den Cup sehr schätzt. „Seit ich klein war, habe ich die Exploits des FC Sion verfolgt. Mein Wunsch ist es, dass wir dieselbe Begeisterung und dasselbe Prestige im Eishockey erreichen können wie im Fussball.“

Um dahin zu kommen brauche es, so der vom Stürmer zum Verteidiger umfunktionierte Spieler, ein paar Jahre Geduld. „Im Fussball ist es beinahe gleich wertvoll  den Cup zu gewinnen wie die Meisterschaft. Im Eishockey ist es ein bisschen unterschiedlich, da wir die Playoffs als grossen Brocken der Saison haben. Um den Titel zu gewinnen, muss eine Mannschaft bis zu 21 Playoff-Spiele zusätzlich zu 50 Spielen in der regulären Saison bestreiten. Das ist enorm, doch es macht den Charme unseres Sports aus.“

Dem Ausscheiden nahe
Um ins Halbfinale vorzustossen, musste Genf-Servette insbesondere im Achtelfinale in La Chaux-de-Fonds die Ärmel hochkrempeln. Der Tabellenführer der NLB zwang den Gegner aus der NLA ins Penaltyschiessen. „Wir spürten, dass wir gegen eine sehr gute Mannschaft voller Selbstvertrauen spielten“, erinnert sich Jacquemet. „Sie waren taktisch sehr gut vorbereitet und das kam uns nicht entgegen. Wir hatten weniger Selbstvertrauen und es war nicht einfach, sie zu schlagen.“

Nachdem die Hürde im Neuenburger Jura überwunden war, mass man sich im Viertelfinale mit dem HC Davos. Das Spiel war lange offen und wurde in der 50. Minute entschieden als Jacquemet den Siegestreffer zum 4:3 erzielte. Die Genfer gewannen am Schluss 6:3. „Es war das zweite Mal innert weniger Tagen, dass wir gegen Davos spielten. Wir mussten das Spiel unbedingt gewinnen, auch für unser Selbstvertrauen“, sagt der Schütze rückblickend.

Letzten Endes eröffnete dieser Erfolg das Tor zum Halbfinale. Das gibt den Genfern eine willkommene Abwechslung zur Saison, die nicht gerade wie vorgesehen läuft. „Es gelingt uns in einigen Spielen sehr gutes Eishockey zu spielen, es fehlt uns aber an Konsistenz“, sagt der 28-Jährige, „aber die Meisterschaft ist sehr eng und alles bleibt möglich. Ich glaube nicht, dass wir bereits unser wahres Gesicht gezeigt haben. In den Playoffs sind wir, was auch immer geschieht, schwer zu schlagen.“

Ein vielseitiger Hockeyspieler
Paradoxerweise hat Genf-Servette eine komplizierte Saison, während Arnaud Jacquemet seinen Durchbruch hat. Der frühere Kloten-Junior ist gerade daran, seine beste Saison zu durchleben. Und dies seit letzter Saison als Verteidiger. „Es ist wahr, es läuft mir sehr gut. Ich geniesse das Vertrauen des Trainers, der mich aufgrund zahlreicher Absenzen hinten viel spielen lässt. Und als Krönung gehen die Pucks rein“, sagt er, auch wenn er noch so gerne seine Punkte und Assists gegen Punkte in der Tabelle tauschen würde.

Ob Verteidiger oder Stürmer, Jacquemet ist ein Musterbeispiel eines modernen Spielers. Er ist vielseitig und kann vom Trainer in verschiedenen Rollen eingesetzt werden, gerade bei Verletzungssorgen. „Ich habe in der Mannschaft unterschiedliche Rollen, was in meinen Augen ein Trumpf ist. Es erlaubt mir viel Eiszeit zu erhalten.“ Um dahin zu gelangen, brauchte es aber Anpassungszeit. Mit jedem Spiel gewinne er jedoch an Erfahrung.

Egal in welcher Position er am 4. Januar aufgestellt wird, für Jacquemet wird es eine einmalige Gelegenheit ins Finale vorzustossen. „In Genf spielen wir jedes Jahr im Cup um zu gewinnen. Wenn man im Halbfinale ist, hat man nur noch dieses Ziel im Kopf“, sagt er. Wenn er so weiter macht, kann er möglicherweise bald den 1. Februar dick im Kalender eintragen. Dann findet das Cupfinale statt.

Von Christian Kobi