Wir hatten eine tolle Zeit in Langenthal

03.09.2015

Am 30. September wird mit der Partie zwischen dem SC Bern und dem SC Langenthal eine unbekannt grosse Historie weitergeschrieben. Unbekannt ist sie aber nur für den grossen SC Bern, der sich bedeutendere Duelle längst gewohnt ist. Beim NLB-Klub in Langenthal erinnern sich die Fans aber gerne an die letzten Aufeinandertreffen der beiden Berner Teams. Zwei Spieler des SCB machen aber auch das Gegenteilige: Sie erinnern sich gerne an den SC Langenthal.

Am 30. September kommt es in Langenthal zu einer Rückkehr für zwei Spieler des SC Bern. Flurin (27) und Gian-Andrea Randegger (29) spielten in ihren Karrieren bereits beim SC Langenthal und werden aufgrund der Cupauslosung an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren. „Ich freue mich sehr auf den Schoren“, sagt Flurin Randegger, sein Bruder Gian-Andrea nickt und pflichtet ihm bei: „Das war eine tolle Zeit für uns. Die Fans sind super dort. Und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass gleich hinter der Spielerbank einige Fans stehen. Das gibt es sonst nirgendwo“, so Gian-Andrea Randegger. Was für sie früher ein Vorteil und Unterstützung war, könnte am 30. September jedoch zum Nachteil werden. So oder so bleibt aber eines: Die Vorfreude auf ein Duell mit einem für sie bereits bekannten Verein. „Cupspiele sind immer cool. Und auf Langenthal freue ich mich besonders“, so Flurin Randegger.

 

Positive Erinnerungen

Viel Bezug zu Langenthal und dem örtlichen NLB-Verein haben die beiden aber nicht mehr. Sie würden die Resultate der Mannschaft im Teletext mitverfolgen und Flurin Randegger studiert aktuell mit Daniel Carbis, der bis zur letzten Saison noch zum Kader der Langenthaler gehört. „Seit wir dort gespielt haben, hat sich aber viel verändert. Ich glaube wir kennen nur noch ihren Torhüter Marc Eichmann und ihren Geschäftsführer Gian Kämpf aus dieser Zeit“, sagt Gian-Andrea Randegger, der ein Jahr länger beim SCL blieb als sein Bruder. Dennoch erinnern sie sich gerne an ihre gelb-blaue Schaffenszeit. Flurin Randegger beispielsweise war in jener Saison vor sieben Jahren der beste Torschütze des Teams und spielte in der ersten Linie als Flügelstürmer. Zudem war er mit einem speziellen Trick ein bekannter Penaltyschütze in Langenthal. Gian-Andrea Randegger erinnert sich derweil gerne an die beiden Playoff-Serien, die er mit dem SCL bestritt. „Gegen Olten habe ich damals sechs Punkte in vier Spielen gesammelt. Und gegen La Chaux-de-Fonds kam es zu einer Prügelei“, so der ältere der beiden Brüder. So gesehen würden einige Erinnerungen mitschwingen, wenn sie mit dem SC Bern am 30. September in Schoren auflaufen. „Ich hatte in Langenthal eine super Saison. Deswegen freue ich mich sehr auf die Partie in diesem Stadion“, sagt Flurin Randegger. Besonders weil die Partie wohl ausverkauft sein wird und die Stimmung entsprechend ausgelassen.

Viel Zeit vergangen ist aber nicht nur in Langenthal, sondern auch bei den beiden Brüdern aus Basel. Nach ihrer gemeinsamen Spielzeit beim B-Ligisten in der Saison 2008/2009 trafen sie sich in der Saison 2011/2012 in Genf. Wie schon in Langenthal wechselte Flurin Randegger nach einer Saison die Farben. Seither spielt er beim SC Bern, wo sein Bruder auf diese Saison hingewechselt ist. Etwas ist aber dennoch speziell: Flurin Randegger spielt seit der letzten Saison konstant als Verteidiger im Team der Berner und so spielen die beiden erstmals in der exakt gleichen Linie. In den ersten Champions-Hockey-League-Spielen waren sie meist gemeinsam im Einsatz – das war in dieser Zusammenstellung dann dennoch ein Novum. „Ich glaube wir verstehen uns sehr gut und wissen sehr rasch, was der andere sagen will“, sagt Flurin Randegger. In den ersten Spielen habe das gut gepasst, ob es bis zum Cupspiel so bleibe, sei im Moment noch offen.

 

Erinnerungen begeistern Langenthal

Noch viel mehr Zeit vergangen ist seit den letzten Aufeinandertreffen der beiden Vereine. Diese fanden in den Achziger-Jahren statt und begeisterten damals in der NLB die Massen. Noch heute schwärmen eingefleischte Langenthal-Fans von den damaligen Duellen gegen den grossen Kantonsrivalen vor teilweise fast 5000 Zuschauern im heimeligen Schorenstadion. Dabei war der Underdog in 14 Duellen gleich fünf Mal siegreich. Zwei Mal bezwangen die Oberaargauer die Stadtberner gleich mit 7:2, ein Erfolg in der damaligen Abstiegsrunde am 1. März 1983, sicherte dem SC Langenthal sogar der Verbleib in der NLB.

Die Differenz zwischen den beiden Mannschaften hat sich seither doch stark verändert und vergrössert. Denn mit dem SC Bern erwartet den kleinen SC Langenthal nicht nur eine der grössten Vereine der Hockeyschweiz, sondern vielmehr der amtierende Cupsieger. Im letzten Jahr gewann nämlich Flurin Randegger im Finale gegen die Kloten Flyers – und Gian-Andrea Randegger. „Wir freuen uns sehr auf die Cupspiele. Die waren nämlich schon im letzten Jahr interessant“, sind sich beide Randeggers einig. Gerade die Partie zwischen Thun und Bern, so Flurin Randegger, sei ganz cool gewesen. „Das ist einmal etwas anderes. Und den Fans scheint es zu gefallen. Da macht es auch Spass gegen Unterklassige Gegner zu spielen.“ Und letztlich sei es ein weiterer Pokal, den die Mannschaft gewinnen könne. „Deshalb nehmen wir das sehr ernst. Wir wollen diese Titel erneut gewinnen.“

So werde das deshalb auch gegen den ehemaligen Arbeitgeber SC Langenthal sein, hängt Gian-Andrea Randegger an. „Wir sind gewappnet. Denn auch eine NLB-Mannschaft kann gut Eishockeyspielen. Gerade Langenthal hat gefährliche Ausländer und starke Schweizer Spieler, deshalb wird das sicherlich interessant.“ Anbrennen lassen wollen die beiden aber doch nichts. Man müsse genau gleich spielen wie gegen ein Davos oder Lugano, sagt Flurin Randegger und tippt etwas offensiv auf einen deutlichen Sieg: „Wir gewinnen 5:2“, sagt er, während Gian-Andrea Randegger die Stirn runzelt und anhängt: „Ich glaube es wird nur ein 3:1-Sieg...“

Von Leroy Ryser