Ein Wiedersehen auf dem Eis

01.10.2014

Andy Keller wird heute mit den EHC Brandis im Swiss Ice Hockey Cup auf den oberklassigen SC Langenthal und alten Nationalliga-Kollegen treffen.

Andy Keller ist in der Schweizer Eishockeylandschaft ein bekannter Akteur. 127 Punkte in 316-NLA-Spielen, 245 Punkte in 271-NLB-Spielen, bald ein Cupspiel, eine Partie für die Kölner Haie am Spengler Cup und ein NLB-Titel mit den SCL Tigers bekleiden sein Palmares verteilt auf 14-Nationalliga-Saisons. Heute ist er Polizist, immer noch topfit und weiterhin aktiv auf den Kufen. Selbst mit 43 Jahren spielt er als Teamroutinier in der ersten Liga beim EHC Brandis eine tragende Rolle. Er gilt als arbeitsam und engagiert, ist ein gemütlicher Zeitgenosse, stets freundlich und von seinen Teamkollegen wird er wegen seinem einfachen und angenehmen Charakter sowie seiner Erfahrung sehr geschätzt. Eigentlich ein typischer Berner. Wenn er aber spricht, kommt sein Ostschweizerischer Ursprung zum Vorschein. St. Galler, sei er, sagt Keller. Beim SC Rheintal habe er seine Karriere begonnen, Davos war in Juniorenzeiten seine erste grosse Station.

Keine zweite Rückkehr

Knapp 23 Jahre sind seit seinem ersten Einsatz in der Nationalliga A im gelb-blauen Dress des HC Davos vergangen. Seine Karriere neigt sich nun dem Ende zu. "Es wird die letzte Saison sein", sagt er bestimmt. Vor einem Jahr wechselte er von der 2. Liga zurück in die 1. zu Brandis. Ohne seine Klasse verloren zu haben, trumpfte er nach acht Jahren Pause wieder auf und verlieh seiner Karriere so etwas wie einen zweiten Frühling. Zwar konnte er Brandis vor dem Viertelfinal-Ausscheiden gegen Zuchwil Regio nicht bewahren, aber seine Leistungen verhalfen ihm zu einem neuen Einjahresvertrag bei den Hasle-Rüegsauern. Aber eben. Im nächsten Frühling soll Schluss sein. Ein Zurück solle es kein zweites Mal geben. Eine letzte Saison bevor er die lang und erfolgreich getragenen Schlittschuhe an den Nagel hängt. Eine Spielzeit mit einem zweiten ganz besonderen Höhepunkt, der für einmal nicht am Ende der Saison steht.

Widersehen mit alten Kollegen

Die Plattform dafür bietet der Schweizer Cup. Dort wird er auf den SC Langenthal treffen. Für Andy Keller ein bekanntes Team, spielte er doch während den Spielzeiten 2003-2005 selbst bei den Oberaargauern und war dort deren Assistenzcaptain. "Es ist für mich ein spezielles Spiel. Vor allem bin ich begeistert, noch einmal gegen einen NLB-Club auflaufen zu können", sagt Keller. In einem solchen Spiel habe der Oberklassige nur zu verlieren. "Wir müssen frech und clever agieren und das Wettkampfglück erzwingen", sagt Keller und verrät, dass er seinem Team Chancen zurechnet. So oder so hoffe er auf Überraschungen im neuen Wettbewerb.

Immerhin der SCL-Torhüter Marc Eichmann sollte vor Andy Keller gewarnt sein. Die beiden spielten zusammen beim SCB, Eichmann dürfte sich an Kellers Schussstärke noch erinnern. Des Weiteren spielte der 43-Jährige mit dem SCL-Captain Stefan Tschannen und dem SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf zusammen im gelb-blauen Trikot in Langenthal, Verwaltungsrats-Präsident Stephan Anliker kennt er ebenfalls noch. "Mit Marc Eichmann habe ich bereits gesprochen. Er wird wahrscheinlich nicht spielen", sagt Keller. Die Langenthaler würden versuchen Kräfte zu sparen und so kommt der eigentliche Ersatz vom SCL-Stammkeeper Marco Mathis zum Handkuss. "Für mich ist das kein Problem. Ich verstehe das. Trotzdem freue ich mich sehr auf dieses Cupspiel."

Der ideale Tag

Für Andy Keller ist klar. Er will das letzte Saisonspiel und damit sein Karrierenende hinauszögern. Mindestens bis in die Playoff-Halbfinals der zentralen Erstliga-Gruppe, damit seine Karriere ein würdiger Abschluss erfährt. Aber bis dieses Ziel in den Vordergrund rückt, steht das Highlight "Swiss Ice Hockey Cup" am 1. Oktober auf dem Programm. "Für uns ist klar, dass wir den idealen Tag brauchen, um Siegen zu können", sagt Andy Keller. Dieses Underdog-Prinzip, bei dem im besonderen Fall vom Brandis-Stürmer ein letztes Nationalliga-Feeling gefeiert werden kann, verleiht dem Schweizer Cup seine Besonderheit. Und vielleicht kann Andy Keller dabei sein Palmares um einen weiteren, vielleicht letzten, Grosserfolg erweitern.

 

Leroy Ryser