Têtê-à-têtê mit Louis Christoffel

27.10.2014

Louis Christoffel

Am Mittwoch startet die zweite Runde des Swiss Ice Hockey Cups. Eine guter Zeitpunkt also um die Zeit nochmals auf die letzte Cupaustragung zu richten. Dazu trafen wir in Genf den früheren NLA-Verteidiger und späteren Generaldirektor von Genf-Servette, Louis Cristoffel.

Louis Christoffel, Sie gehörten zur Genfer Mannschaft, die 1972 den letzten Schweizer Eishockeycup gewann. Nach 42 Jahren Pause gibt es heuer wieder eine Austragung - eine gute Idee?

Meiner Meinung nach auf jeden Fall! Es gibt eigentlich nur Gewinner: Für die unterklassigen Mannschaften, die NLA-Klubs empfangen, ist so ein Cupspiel eines der Höhepunkte der Saison, für die Fans aber auch für die Finanzen: Gut organisiert, kann so ein Spiel schnell mal 100'000 Franken in die Klubkasse spülen. Viele der ausgelosten Partien deuteten schon im Voraus wahre Volksfeste an wie EHC Thun - SC Bern, HC Uni Neuchâtel - Fribourg Gottéron, HC Ajoie - Genf-Servette HC, oder auch GDT Bellinzona - HC Ambrì-Piotta. Auch für die National League-Klubs sind diese Spiele toll und geben auch die Gelegenheit, Spieler einzusetzen, die sonst eher wenig Eiszeit bekommen.

Welche Erinnerungen haben Sie an den Cupsieg von 1972?

Damals gab es ein Hin- und Rückspiel im Final, wir gewannen in Genf und mussten dann nach Ambrì reisen. Vor geschätzten 9'000 bis 10'000 Zuschauern in der Valascia, das hat dann niemand so genau gezählt, sicherten wir unseren Cupsieg dank des besseren Torverhältnisses. Weil es nach dem Spiel nicht mehr möglich war, nach Genf zurück zu reisen, feierten wir zusammen mit vielen Einheimischen in Ambrì selber - eine unvergessliche Festnacht.

Es war nicht mehr möglich, nach Genf zurück zu reisen am Abend?

Genau, anfangs der Siebzigerjahre gab es nur wenige kurze Stücke Autobahn, zum Beispiel zwischen Genf und Lausanne. Der Rest des Weges führte über Nationalstrassen und durch Städte, regelmässig fuhren wir zum Beispiel durch die Stadt Bern. Als ich noch in Davos spielte, nahmen wir normalerweise den Zug an die Auswärtsspiele in Visp, La Chaux-de-Fonds, Villars oder auch Genf. Jeden Samstag verliessen wir Davos mit dem 9.20 Uhr-Zug, kamen um 17 Uhr am Spielort an, spielten, schliefen und kehrten am Sonntag wieder zurück. Da blieb wenig Zeit für die Familie. Es gab aber auch schönere Momente: Da unser damaliger Präsident beim GSHC, Claude Barbey, im Verwaltungsrat der Swissair sass, konnten wir mit Genf jeweils mit dem Flugzeug an die Auswärtsspiele in Kloten und Zürich reisen - ein königliches Gefühl!

Als Amateur spielten Sie in Genf regelmässig vor bis zu 11'000 Zuschauern. Was war dannzumal der Status eines Spielers, Star oder Amateursportler?

Etwas dazwischen. Die Fans und die Spieler kannten sich damals noch mehr. Nach jedem Heimspiel gingen wir in einer Genfer Pizzeria essen, das sprach sich herum und schon bald assen wir jeweils zusammen mit vielen Fans. Meistens mussten wir unsere Pizzas nicht mal selbst bezahlen, auch nicht nach Niederlagen.

Seither hat sich der Eishockeysport in der Schweiz stark professionalisiert. Welche Änderungen empfinden Sie als die prägnantesten?

Wir waren Amateure, hatten noch einen „normalen“ Beruf und gingen auch zur Arbeit, wenn wir in der Nacht zuvor erst um 3 Uhr von einem Auswärtsspiel zurückkehrten. Die Trainings fanden drei Mal in der Woche am Abend statt, dazu kamen zwei Spiele (Dienstag und Samstag, Anmerkung der Redaktion). Heute sind alle NLA-Spieler Profis, können sich auf das Eishockey fokussieren. Auch sind die äusseren Bedingungen ganz anders: Jede Mannschaft hat festangestellte Betreuer und Funktionäre, auch in der Juniorenförderung wird alles professioneller und straffer organisiert. Wo NLA-Mannschaften heute einen ausgebildeten Sporttrainer für das Sommertraining engagieren, machten wir jeweils einfach Hantelübungen. Wir trainierten völlig falsch, oft gab es zum Beispiel „Stop-and-Go-Sprints“ auf dem Eis bis nahe zum Kollaps, oder so viele Bauchmuskelübungen, sodass man am nächsten Tag kaum mehr sprechen konnte (lacht).

Was zeichnete Sie als Spieler früher besonders aus?

Vermutlich meine „Arbeitseinstellung“ auf dem Eis. Ich war der erste Schweizer Spieler, der sich in die gegnerischen Schüsse warf mit eigens dafür verstärkter Ausrüstung. Die Idee dazu hatte ich als junger Spieler, als ich dem legendären Jan Suchy, der für die tschechoslowakische Armeemannschaft Dukla Jihlava spielte, zuschaute. Dukla Jihlava kam Ende der Sechzigerjahre regelmassig nach Davos, weil die Eisbahn dort als einzige in Europa Sommereis hatte. Als Gegenleistung durften wir mit dem HCD Trainingslager in der Tschechoslowakei abhalten.

Diese Eigenheit dürften Sie mittlerweile aufgegeben haben?

Auf gar keinen Fall! Ich spiele nach wie vor regelmässig bei den GSHC-Senioren mit, und das seit 1978. Obwohl ich mit Abstand der Älteste bin, werfe ich mich nach wie vor in die Schüsse - die sagen alle, ich spinne (lacht)!

Vielen Dank Louis Christoffel für dieses kurzweilige Interview, und weiterhin alles Gute auf und neben der Eisfläche!

Über Louis Christoffel

Geboren im Jahre 1947, wuchs Christoffel in Davos auf und hatte als sportlich veranlagtes Kind zwei Möglichkeiten: Ski oder Eishockey. Da die Familienfinanzen das Skifahren nicht zuliessen, durchlief Louis in der Folge die Juniorenabteilungen des HC Davos, für den er im Jahr 1964 sein NLA-Debüt gab. Im Jahre 1970 wechselte er zu Genf-Servette, für die Grenats spielte er fünf Saisons in der NLA. Der Höhepunkt dieser Periode war der Gewinn des Swiss Ice Hockey Cups im Jahre 1972, Cristoffel erzielte dabei im Hinspiel das entscheidende Tor. Der Bündner beendete seine aktive Karriere nach zwei weiteren Spielzeiten bei Forward Morges in der NLB. Cristoffel blieb aber sesshaft in der Westschweiz, stets verbunden mit den „Grenats“. Im Jahre 2004 wurde der gelernte Bankangestellte Generaldirektor des GSHC und hatte dieses Amt für sieben Jahre inne. Seit 2011 amtet er bei Forward Morges in verschiedenen Funktionen und spielt daneben noch immer, seit 1978, aktiv bei den „vétérans“ des GSHC mit.

von David Leicht