Nach 11 Jahren: Burkhalters Rendezvous mit Ambrì

20.10.2015

Falls die Weisheit «je länger desto besser» sich bewahrheiten sollte, dürfte Loïc Burkhalter am 28. Oktober in der Eishalle Mélèzes einen sportlich entzückenden Moment erleben. Der Captain des HC La Chaux-de-Fonds und seine Teamkollegen treffen dann im Achtelfinale des Swiss Ice Hockey Cups auf den HC Ambrì-Piotta – ein Club, für den der Neuenburger zwischen 2001 und 2004 fast 150 Spiele bestritt.

Der gebürtige Chaux-de-Fonnier steht in seiner 20. Saison in der Nationalliga, darunter 17 Spielzeiten in der NLA mit Ambrì-Piotta, den SCL Tigers, Davos, Rapperswil-Jona und Biel. 2014 kehrte er zu seinem Stammclub zurück, wo der 35-Jährige einen Vertrag bis 2017 besitzt beim Club, der von 1968 bis 1973 sechs Meistertitel in Folge holte.


Noch in Kontakt mit Serge Pelletier
Mit seinen 110 Scorerpunkten während dreier Saisons im Trikot von Ambrì-Piotta hinterliess Burkhalter bleibende Erinnerungen bei den Fans der Biancoblù, was sich auch auf Gegenseitigkeit beruht. «Dieser Club hat immer einen speziellen Platz in meinem Herzen, da ich nur gute Erinnerungen an ihn habe. Es hat alles um einen Hockeyspieler glücklich zu machen: eine hervorragende Region, eine grossartige Stimmung und eine echte Eishockey-Besessenheit», erinnert sich der Mann mit der Nummer 80.

Wie empfindet er den Club heute, elf Jahre nachdem er seine Sachen in der Valascia gepackt hat?

«Heute, nachdem Jahre vergangen sind, kenne ich nicht mehr viele Spieler, die bei Ambrì-Piotta spielen, aber ich werfe ein Auge auf die Resultate. Ich blieb mit dem Trainer Serge Pelletier in Kontakt und von Zeit zu Zeit kommen wir dazu, gegenseitig Neuigkeiten und Ansichten auszutauschen.» Der kanadische Trainer stand in Ambrì von 2003 bis 2006 hinter der Bande und wieder seit 2012.

Aus sportlicher Sicht hat sich die Situation des HCAP nicht fundamental geändert und der Club muss jedes Jahr um die Playoff-Qualifikation kämpfen. Dieses Vorhaben gelang nur dreimal in den letzten elf Jahren. «Der grösste Unterschied zwischen Ambrì-Piotta in der NLA und dem HCC in der NLB sind die Zielsetzungen in der jeweiligen Liga. Beim HCC ist man es schuldig jedes Jahr in den Playoffs teilzunehmen während in Ambrì-Piotta das Ziel mit der Teilnahme bereits erreicht ist», erklärt Burkhalter.


Ein Exploit ist möglich, aber...

Als es darum geht, die Chance für seinen Club zu erwähnen, zeigt sich «Louis» erst einmal realistisch: «Alles Mannschaften in der NLA haben ein Kader, das qualitativ besser ist als unseres. Wir sind selbstverständlich nicht Favorit.»

Schlagartig fügt er aber an: «Wir haben schon Aussenseiter gegen Favoriten siegen sehen, aber dafür muss man sich teilweise auch auf Glück verlassen. Wenn unser Gegner 80 Prozent spielt und wir 110% geben und das Glück auf unserer Seite ist, ja, dann können wir uns durchsetzen.»

Er hat gute Gründe daran zu glauben. In allen Sportarten ist der Erfolg des Schweizer Cups auf Überraschungen aufgebaut, die so unglaublich wie auch unwahrscheinlich sind. Wieso sollte das im Eishockey anders sein? «Jedes Spiel hat seine Geschichte und es liegt an den Akteuren, diese zu schreiben. Mit der Elimination von Davos hat Dübendorf gezeigt, dass nichts im Vornherein entschieden ist. Dieser Wettbewerb bricht mit der Routine der Meisterschaft und bietet den kleinen Mannschaften die einmalige Gelegenheit auf dem nationalen Parkett zu brillieren.»

Es ist eine Gelegenheit, auf die der HCC seit 2000/01 und dem Abstieg in die zweithöchste Spielklasse gewartet hat. Haben die Neuenburger, die seit 15 Jahren im Vorzimmer des Schweizer Profi-Eishockeys steckengeblieben sind, die Mittel um einen grossen Coup zu landen?

«Wir müssen uns vom Fussball inspirieren lassen, wo Exploits häufiger sind und wir müssen uns von unseren Emotionen führen lassen. Wir rechnen nach dem Spiel ab, aber wir glauben daran», verspricht Captain Burkhalter, der seinen Kameraden gute Tipps geben dürfte, damit der HCC brilliert und Licht ins Dunkle bringt.


Kevin Vaucher