Mutzen gegen Löwen – wer frisst wen?

07.01.2015

Wenn heute der SC Bern und die ZSC Lions um den Einzug in den Swiss Ice Hockey Cup-Final kämpfen, stehen sich zwei Mannschaften mit riesigen Ansprüchen gegenüber. Sowohl der derzeitige Tabellenzweite als auch der Tabellendritte sowie letztjährige Meister wollen den ersten Titel als Cup-Sieger seit 1972 tragen.

Das letzte Cup-Final liegt nun schon 43 Jahre zurück – eine lange Zeit. Doch nun rückt es endlich näher, nachdem das Projekt Swiss Ice Hockey Cup in dieser Saison mit vielen Erwartungen neu lanciert wurde. Besonders in den beiden Hockey-Grossstädten Bern und Zürich hofft man auf den ersten Titel der neuen Ära. Für die Berner wäre es ein schönes Jubiläum, den Titel zu erringen. Der letzte Cup-Gewinn der Mutzen datiert auf das Jahr 1965. 50 Jahre ist er also her und jetzt könnte es wieder so weit sein. Die Stadtzürcher werden das aber um jeden Preis verhindern wollen. Immerhin kann der ZSC von sich behaupten, den Cup zwei Mal – in den Jahren 1960 und 1961 – gewonnen zu haben. Und nach zwei Meistertiteln hintereinander dürstet es die Zürcher weiterhin nach mehr.

Der Cup ist vor allem dank der vielen Möglichkeiten, gegen Teams anderer Ligen zu spielen, eine spannende Abwechslung für Fans und  Spieler. Den Start hätte Patrick Bärtschi, Stürmer der ZSC Lions, sich jedoch anders gewünscht: „Es war schade für uns, schon in der ersten Runde gegen die GCK Lions antreten zu müssen.“ Die Neulancierung des Cups findet er eine gute Aktion. Der Cup habe mit der Zeit unheimlich Fahrt aufgenommen, findet Bärtschi.

Fight auf Augenhöhe

Und auch so fehlt es dem Duell nicht an Brisanz. Obwohl grade vom HC Davos von der Tabellenspitze gedrängt, sind beide Mannschaften doch vollkommen ebenbürtige Anwärter auf die zu holenden Titel dieser Saison. In den beiden Duellen, die die Mannschaften von Guy Boucher und Marc Crawford in dieser Saison ausgetragen haben, ging je ein Sieg an beide Seiten. Und auch in ihren bisherigen Cup-Partien gaben sich weder der SC Bern noch die ZSC Lions eine Blösse. Sowohl die Berner als auch die Zürcher gingen als klare Gewinner in die jeweils nächste Runde –   abgesehen davon, dass der SC Bern im Achtelfinal gegen den HC Lugano beinahe strauchelte und die Entscheidung erst in der Verlängerung holte.

Dieses Kopf-an-Kopf-Rennen ist vor allem für die Fans spannend. Bärtschi sagt dazu: „Die Rivalität zwischen den Fans belebt die Stimmung in den Hallen, auch wenn man auf dem Eis davon gar nicht so viel mitbekommt.“ Er selbst spielte in den Saisons 2006/07 bis 2008/09 in Bern, bevor er nach Zürich wechselte. Abneigung hat er seitdem noch nie zu spüren bekommen – weder auf noch neben dem Eis. Die Zürcher Fans hätten ihn gut aufgenommen. Auch gab es beim SC Bern mittlerweile genug Wechsel, so dass es gar keine Rivalitäten geben könne. Daher freut sich der Zürcher auf das Spiel in Bern.

Dass das Halbfinale in der Berner PostFinance-Arena stattfindet, hat auch seinen Reiz. „Die Atmosphäre im Berner Stadion ist einfach toll“, so Bärtschi. Doch so ein Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen. Aber so gross der Berner Fan-Support sein wird, auch die Zürcher Anhängerschaft wird ihr Team lautstark zu unterstützen wissen.

Lassen sich die Ausfälle verkraften?

Diese Unterstützung werden die ZSC Lions auch brauchen. Sie reisen stark dezimiert nach Bern. Verletzungsbedingt fehlt neben Stammgoalie Lukas Flüeler immerhin ein ganzer Block wichtiger Schlüsselspieler. Da ist gute Moral im Team wichtig. Allerdings hat auch der SC Bern mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. So fallen gleich vier Verteidiger aus, weshalb sich der Club verpflichtet sah, den 20jährigen Sven Jung vom HC Davos auszuleihen. Es wird also interessant zu sehen, wie beide Mannschaften diese Ausfälle weiter kompensieren werden.

Egal, welches Team wirklich ins Finale am 11. Februar einziehen wird, fragt man Patrick Bärtschi hypothetisch, welcher Finalgegner ihm lieber wäre, würde er sich nicht festlegen wollen. Etwas anderes sei ihm stattdessen wesentlich wichtiger: „Ob Genève-Servette HC oder die Kloten Flyers – Hauptsache das Finale findet dann im Hallenstadion statt“, so Bärtschi.