Westwärts

30.12.2015

Mit Michael Liniger, einem langjährigen und erfahrenen Spieler der Flyers, blicken wir auf den bevorstehenden Cup-Halbfinal zwischen dem Lausanne HC und den Kloten Flyers.

Seit der Swiss Ice Hockey Cup nach der letztjährigen Renaissance dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt wird, stehen die Klotener erneut im Halbfinal und werden versuchen wieder ins Finale einziehen. Bevor es allerdings soweit ist, gibt es noch eine weitere Hürde zu nehmen.


Darf man behaupten, Kloten sei eine Cup-Mannschaft und dass den Klotenern dieser Wettbewerb liegt? In den vergangenen acht Cupspielen seit der Neuauflage haben die Flyers effektiv Sieg an Sieg gereiht, abgesehen von der letztjährigen Finalniederlage gegen den SC Bern.


All diese bislang im Cup ausgetragenen Spiele haben zudem auswärts absolviert werden müssen – das Losglück ist den Klotenern also bis heute verwehrt geblieben. Erstaunlich eigentlich, all diese Auswärtserfolge, wo Kloten doch in der hiesigen Meisterschaft praktisch nur bei Heimspielen reüssieren kann und auswärts eine miserable Bilanz aufweist mit zuletzt acht Niederlagen in den letzten neun Auswärtsspielen…


Der Cup scheint aber eigene Gesetze zu haben. Nach Hockey Thurgau hat das Cup-Abenteuer die Flyers immer Richtung Westen geführt. Es folgen Siege gegen Ajoie und Biel und so macht man sich jetzt ein weiteres Mal auf Richtung Westen nach Lausanne. "Wäre Visp noch im Cup verblieben, so hätten wir bestimmt nach Visp gehen müssen", haben die Spieler nach der Halbfinal-Auslosung teamintern über ihr Los-Pech gewitzelt.


"Lausanne ist uns nicht so gelegen", stellt Michael Liniger angesprochen auf den Gegner fest und führt weiter aus: "Wir haben diese Saison drei Mal gegen sie verloren und sind nicht zufrieden mit unseren Leistungen. Somit ist dieser Halbfinal gegen sie eine gute Gelegenheit, sich etwas zu rehabilitieren."


Wird dem Cup-Wettbewerb auch genügend Wichtigkeit beigemessen – von Spielern und von den Coaches, wollen wir wissen? "Das ist ein wichtiges Spiel – wir brauchen Siege, so auch hier im Cup!" erläutert Liniger ohne zu zögern. "Klar ist der Cup etwas anderes von der Einstellung her, in vorderen Runden dieses Wettbewerbes mag man zum Teil hin- und hergerissen sein. Sollen Spieler geschont werden oder nicht, etc. fragt sich da eventuell der Trainer. Aber jetzt ist es doch viel wichtiger – im Halbfinal gibt jeder alles." Und als Sportler sei natürlich der Gedanke an den Gewinn latent vorhanden.


Wie soll denn das bewerkstelligt werden, damit es zu einem Sieg kommt? "Wir waren die ersten beiden Spiele einfach zu wenig gut", bemerkt Liniger auf die Frage nach den Gründen für die hiesigen Niederlagen gegen Lausanne in der Meisterschaft. "Lausanne spielt ein gutes defensives System mit einem guten Goalie – das ist bekannt. Sie haben aber auch durchschlagskräftige Stürmer, die Tore schiessen können."


Er spricht da natürlich die nordische Fraktion der  Lausanner um die Goalgetter Danielsson, Pesonen, Louhivaara und Hytönen an. Ferner verweist Liniger auf die körperliche Stärke der Lausanner. "Es wird wichtig sein für uns, dafür bereit zu sein und es ist entscheidend, wie wir darauf reagieren können." Kloten wird also die Zweikämpfe nicht scheuen dürfen und auf Körper spielen müssen, wollen sie in den Final einziehen.


Vom aktuellen Spielerkader der Lausanner kennt Michael Liniger aus gemeinsamen Zeiten bei Ambrì John Gobbi (Liniger: "Er ist bei Ambrì gross geworden") sowie Yannick Herren (Liniger: "Yannick hat seine ersten Nati-A Erfahrungen bei uns in Kloten gemacht.") Zwar bestünden heute keine engen Kontakte mehr zu den beiden, da man aber zusammen gespielt habe, verfolge man natürlich die Wege der ehemaligen Teamkollegen in der NLA schon immer noch gerne.


"Go West" ist der Songtitel eines Megahits der britischen Synth-Popband "Pet Shop Boys" aus dem Jahr 1993, dessen Refrain-Melodie daraufhin in Schweizer Hockeystadien als Vorlage für Sprechgesänge "Eso spielt mer Iishockey!" gedient hat, und zwar immer dann, wenn auf dem Eis Begeisterndes geboten wurde.


So hofft man bei den Kloten Flyers, dass deren Mission Richtung Westen zu Lausanne ebenso erfolgreich verlaufen wird und sie danach werden sagen können: Im Westen nichts Neues – wieder nach Westen gereist, wieder gesiegt im Halbfinal und wieder in den Final eingezogen.


Und vielleicht gibt es ja dann einmal ein Heimspiel – es wäre ihnen gegönnt. "Ein Highlight wäre natürlich das Heimspiel", resümiert auch Michael Liniger seine Ausführungen für uns. Vielleicht sogar gegen den SC Bern? Die Berner treffen im anderen Halbfinale auf die ZSC Lions.

Von Rolf Schwarz