Mayer: "Freut euch auf einen intensiven Final"

31.01.2017

Die grossen Banner in der Les Vernets-Halle in Genf zeugen davon: Zwei Cup-Titel hat Genf-Servette in der Vergangenheit bereits gewonnen (1959 als Servette HC, 1972 als Genève-Servette HC). Der Cup-Titel wäre neben den zwei Spengler Cup-Titeln der Genfer (2013 und 2014) der erste Titel auf nationaler Ebene seit dem Gewinn der NLB vor 16 Jahren.

In einem Interview hat uns Grenats-Torhüter und Nationalspieler Robert Mayer erzählt, was seine Mannschaft unternimmt, dass es am 1. Februar 2017 mit dem dritten Titel klappt. Dabei entstanden auch spannende Einblicke in das Innenleben einer Mannschaft, die mitten im Kampf um die Playoff-Plätze steckt.

Der tschechisch-schweizerische Doppelbürger Robert Mayer spielte in seiner Juniorenzeit bei Kloten, gab für die Zürcher im Alter von 17 Jahren das NLA-Debüt. Danach zog es den heute 27-Jährigen nach Nordamerika, wo er nach zwei Jahren als Junior in der QMJHL spielte und danach bei den Montréal Canadiens unter Vertrag stand, wo er vorab in der AHL bei den Hamilton Bulldogs spielte. Seit der Saison 2014/15 ist Mayer, der regelmässig für die Schweizer Nationalmannschaft spielt, wiederum in der Schweiz bei Genf-Servette engagiert.

Genf-Servette ist im Moment auf dem 7. Platz mit zehn Punkten Vorsprung auf den Cupfinal-Gegner EHC Kloten. Wie ist die Moment die Stimmung in der Mannschaft?
Sicher nicht so locker wie auch schon (lacht). Wir wissen alle, wo wir stehen und wo wir sein wollen. Wir müssen in dieser Phase jedes Meisterschaftsspiel wie ein Finale angehen, vollen Einsatz geben. Jetzt müssen Punkte her.

Vor allem in der Offensive kommt Genf noch nicht wie gewünscht auf Touren. Wie will die Mannschaft dies für den Rest der Saison ändern?
Es betrifft klar das ganze Team: Wir müssen gut aus unserer Zone kommen, die Puck-Kontrolle in der eigenen Zone ist der Beginn der offensiven Bemühungen. Dann müssen wir die neutrale Zone mit allen fünf Spielern überwinden und weiter in der Offensive hart arbeiten, mehr riskieren und so den Tritt finden. Die Spieler und das Potential dazu haben wir!

Die letzten Monate hat Genf-Servette meist nicht sehr konstant gespielt. Wie will die Mannschaft und Trainer Chris McSorley die Stabilität bringen, die man braucht, um eine Playoff-Serie gewinnen zu können?
Neben der offensichtlichen defensiven Stabilität wollen wir uns vor allem in einem Aspekt stark verbessern: Im Powerplay. Seit der neuen Regelauslegung gibt es mehr Überzahlsituationen, da sind wir noch nicht so gefährlich, wie wir könnten und sollten. Daran wird aber in den Trainings hart gearbeitet. Die verschiedenen Powerplay-Formationen haben viele Meetings, sie tüfteln an einer Lösung und lassen nichts unversucht. Wir wollen an die letzten Saisons anschliessen, wo wir jeweils eines der besten Powerplays der Liga hatten. 

Sie sind der am meisten unter Beschuss genommene Torhüter der NLA mit über 1'300 Schüssen, weisen dabei eine Save-Quote von nahezu 93% auf. Woher kommt diese Konstanz im Angesicht der schwankenden Mannschaftsleistungen?
Ich habe viele Schüsse, weil ich natürlich auch viel spiele. Diese Einsatzzeit hilft mir, gibt mir Konstanz und Erfahrung.

Ein Markenzeichen Ihres Spiels ist es ja, mit der Scheibe viel Risiko zu nehmen und am Spiel aktiv teilzunehmen. Sie spielen als Torhüter viele Pässe, verlassen oft die Goalie-Zone. Wie gehen Sie damit um, wenn dieses Risiko während eines Spiels in einem Gegentor resultiert?
Mit meinen 27 Jahren ist mir das schon einige Male passiert (lacht). In dieser Phase, wo wir dringend Punkte brauchen, muss ich natürlich das Risiko minimieren. Falls solche Fehler im Spiel passieren, mache ich natürlich danach weniger "Ausflüge", dank meiner Erfahrung verunsichert mich dies aber nicht wenn es dann darum geht, Schüsse auf mein Tor zu stoppen. 

Zum Cupfinal: Ihr spielt in der Swiss Arena gegen den EHC Kloten, eine Mannschaft für die Sie in den Juniorenjahren gespielt haben und auch Ihr Debüt in der National League A gaben. Was verbindet Sie noch mit den Flughafenstädtern?
Viele gute Erinnerungen! Meine Juniorenjahre in Kloten waren sehr schön und ich kenne natürlich viele Spieler noch, die dort spielen. Mit einigen hatte ich seit der Mini-Stufe zusammengespielt. Als ich später in Kanada wohnte, verfolgte ich die Resultate von Kloten laufend mit, drückte der Mannschaft immer die Daumen – diese Zeiten sind natürlich jetzt vorbei (lacht).

Der Cupfinal wird sieben Runden vor Schluss der Regular Season stattfinden. Ist dies im für beide sich im Strichkampf befindenden Teams ein Nachteil?
Nein, das denke ich nicht. Wir haben die Chance, in einer äusserst wichtigen Phase der Saison einen Titel zu gewinnen. Dies könnte uns für den weiteren Verlauf der Saison, hoffentlich die Playoffs, ganz viel Selbstvertrauen geben!

Wie kann man als Mannschaft in einer so heiklen Meisterschaftsphase den Fokus plötzlich auf den Cupfinal legen?
Wie erwähnt, in der momentanen Phase ist jedes Spiel ein eigentlicher Final – für uns wie auch für sie. Daher wird es ein sehr gutes, intensives und umkämpftes Spiel. Unser ganzes Umfeld und bestimmt auch alle in Kloten freuen sich enorm auf diesen Final!

Inwiefern ist die Taktik im Finalspiel auswärts anders, als wenn man zuhause in Genf gespielt hätte? 
Wir werden sicherlich zu Beginn ein wenig vorsichtiger spielen als zuhause, hingegen dürfen wir auch nicht zu passiv spielen. Wir müssen Kloten unter Druck setzten und dürften ihnen keine 3-gegen-2 oder 2-1 Situationen zugestehen, da ist Kloten aufgrund der läuferischen Stärke seiner Spieler brandgefährlich.

Genf-Servette hat den Cup zwei Mal gewonnen, 1963 und 1972. Welchen Stellenwert hat dieser Titel für das Team und die Klubverantwortlichen?
Ein sehr hoher! Als der Cupwettbewerb neu lanciert wurde, kamen viele der damaligen Siegermannschaften zu uns aufs Eis, wurden geehrt und kamen nach dem Spiel in die Garderobe, wo wir uns lange unterhalten haben. Wir wollen diesen Titel unbedingt zurück nach Genf bringen, erst Recht in Anbetracht dieser Vergangenheit!

Drei Tage nach dem Cupfinal gibt es für euch ein Auswärtsspiel in Biel – könnte man den Titel überhaupt gebührend feiern?
Soweit denken wir (noch) gar nicht. Zuerst geht's in der Meisterschaft nochmals um sehr viel. Wenn es dann aber soweit kommen sollte am 1. Februar, dann werden wir bestimmt für eine kurze Zeit ein bisschen feiern!

 

Von David Leicht