Mathias Seger: "Die Faszination Cup lebt!"

28.01.2016

Dieser Mann hat schon beinahe alles erreicht: Zweifacher Sieg des IIHF Continental Cups, Sieg der Champions Hockey League, Sieg des Victoria Cups, fünffacher Schweizer Meister und WM-Silbermedaillengewinner - davon das meiste als Captain.

Wir schreiben selbstredend von Mathias Seger, dem 38-jährigen Verteidiger der ZSC Lions. Ein Titel fehlt dem charismatischen Leader hingegen noch, jener des Swiss Ice Hockey Cups, und diesen will der St. Galler am 3. Februar 2016 zusammen mit den Lions holen.

Dass die Stadtzürcher indes überhaupt im Finalspiel in Lausanne antreten werden, war nicht unbedingt zu erwarten. Nach einem durchzogenen Monat Dezember mit vier Niederlagen - ungewöhnlich für die erfolgsverwöhnten Lions - erschien die Halbfinalpartie in Bern anfangs Januar nämlich als grosses Hindernis. „In diesen Dezember-Spielen fehlte uns die Konstanz über 60 Spielminuten“, so Seger. „Wir hatten viele Absenzen und Wechsel in der Mannschaft und in den einzelnen Linien. Obwohl dies natürlich nicht passieren sollte, konnten wir uns diese kleine Schwächephase angesichts der Tabellenlage leisten. Wir konnten unsere alte Form wieder aufbauen, ohne dass dabei jemand im Umfeld in Panik geriet.“ Gesagt, getan: Mit einem 5:3-Sieg qualifizierten sich die wiedererstarkten Lions für den Cupfinal in Lausanne.

Dass dieser hingegen nicht in Zürich stattfinden sollte, war schon von Anfang an klar - das Hallenstadion ist am 3. Februar anderweitig besetzt - und es kam folglich erst gar nicht zur Auslosung des Heimrechts.

„Natürlich wurmt uns das ein bisschen, ohne dass dies aber zum grossen Thema in der Garderobe würde. Als Spieler der ZSC Lions musst du dich wohl oder übel an Spielverschiebungen und Ähnliches gewöhnen“, sagt der ehemalige EHC Uzwil-Junior und fügt an, „aber es ist schon schade, ein mögliches Heimrecht einfach verschenken zu müssen. Umso mehr als viele unserer Fans das Spiel in Lausanne möglicherweise aufgrund der unhaltbaren Zustände im Bereich der Gästefans boykottieren werden.“

Trotzdem dürften einige Zürcher Fans in Lausanne live Zeugen werden von der elektrisierenden Atmosphäre in der gefüllten Patinoire de Malley. Die Heimfans werden dabei in ihrem Optimismus bestärkt werden durch den kürzlichen Sieg der Waadtländer in der "Final-Hauptprobe" vom 15. Januar, wobei Lausanne trotz zweimaligem Rückstand die Partie im Penaltyschiessen noch gewann.

„Wir begannen diese Partie sehr gut, liessen die kampfstarken Lausanner dann aber in die Partie zurückkommen und das ist gegen eine kämpferisch derart starke Mannschaft fatal“, summiert Mathias Seger die Partie und fügt gleich den Schlüssel zu einem allfälligen Finalerfolg an: „Wir müssen sie an ihren Schwachstellen bewusster unter Druck setzen, körperlich härter spielen und taktisch die bessere Mannschaft sein.“

Sollte dies dann wirklich auch gelingen, ginge für Seger ein Bubentraum in Erfüllung. „Ist man schon mal im Endspiel, möchte man natürlich auch gewinnen, das ist bei jedem Titel so - erst Recht auch im Cup!“ und fügt an: „ich mag mich noch gut an die Cupspiele meines Vaters Theo und an meine Faszination daran erinnern. Es ist schön zu sehen, dass die Faszination an diesem Wettbewerb - gerade auch bei kleinen Vereinen wie bei ‚meinem‘ EHC Uzwil - wieder so gross ist wie bei diesen Spielen früher!“

Auf die Frage, ob er denn nach einem möglichen Gewinn lieber einen Champagner oder ein Bier hätte, fügt Seger rasch an dass ihm „ein gutes Bier lieber wäre“, bevor er aber sofort unterstreicht, dass man soweit noch nicht denke, "denn gegen ein taktisch und defensiv starkes Lausanne wird es extrem schwierig und ein kleiner Blick in unsere Partien in den letzten Jahren gegen die Westschweizer verdeutlicht das.“

Auch an eine mögliche After-Party in Zürich möchte man, obwohl das darauffolgende Meisterschaftsspiel in Lugano erst vier Tage später stattfindet, nicht denken. Etwas, an das Mathias Seger aber sicher noch ab und zu denkt, ist die kommende Eishockey-WM in Moskau. Wird er als bereits amtierender WM-Rekordteilnehmer nochmals die Schweizer Mannschaft anführen? Selbstkritisch sagt der St. Galler: „Zur Zeit bin ich ja mit meinen Leistungen kein wirkliches Thema für die Nati. Sollte ich mir auf einmal mit unglaublichen Leistungen trotzdem noch ein Aufgebot erspielen können, dann vielleicht schon.“

Es wäre sicherlich im Sinne ganz vieler Schweizer Eishockeyfans, und welche bessere Gelegenheit gäbe es als mit einer Glanzleistung am 3. Februar 2016 in Lausanne?

Von David Leicht