Luca Cereda: „Gegen den SCB zu spielen ist speziell“

13.09.2016

Am 26.6.99 wurde Cereda als Nummer 24 von den Toronto Maple Leafs gedraftet.

Der NLB-Neuling Ticino Rockets trifft in der ersten Runde des Schweizer Cups ausgerechnet auf den Schweizer Meister SC Bern. Wir sprachen darüber mit dem Rockets-Trainer Luca Cereda, der einst mit den Mutzen einen Meistertitel gewann und für den heute mit seinem Team der Saisonstart ansteht.

Bevor Sie zum SC Bern wechselten, spielten Sie in der AHL bei den St. John’s Maple Leafs. Wie verlief ihr Abenteuer in Nordamerika?
Es brachte mir sehr viel, vor allem für meine persönliche Weiterentwicklung. Ich war 20 Jahre alt und erstmals von zu Hause weg und selbstständig. Das Motto lautete „learning by doing“. Eishockeytechnisch war es eine ganz andere Welt als in der Schweiz, alles war viel grösser und strukturierter, viel härter, zu den Auswärtsspielen reisten wir mit dem Bus. Wir waren bis zu zwei Wochen von zu Hause weg. Die Konkurrenz im Team war riesig, dein Teamkollege war gleichzeitig dein grösster Konkurrent um einen Platz in der NHL. Es war irgendwie komisch und ganz anders als bei uns. Aber das Fazit ist sicher positiv. Ich lernte viele Leute kennen, die ich jetzt in Europa wieder Treffe. Während eineinhalb Jahren war Doug Shedden, der jetzt beim HC Lugano arbeitet, mein Coach.

Nach zweieinhalb Saisons kehrten Sie in die Schweiz zurück. Wegen den fehlenden Perspektiven?
Nein. Der Hauptgrund war der drohende Lockout in der NHL und man sprach davon, dass dieser auch die AHL betreffen könnte. Ich war mittendrin. Was sollte ich tun? Riskieren bei einem Lockout nicht mehr spielen zu können, oder in die Schweiz zurückzukehren? Meine Priorität war klar zu spielen. Dies ist für einen jungen Spieler das wichtigste und ich wurde von diversen Clubs kontaktiert. Toronto wollte aber, dass ich mich auf die laufende Saison konzentriere, aber ich spielte nicht mehr viel und es war für mich leicht die Offerte des SCB anzunehmen und im Januar in die Schweiz zurückzukehren.

Sicherlich war es etwas Spezielles in Bern vor 16'000 Zuschauern zu spielen vor einem kritischen Publikum, für das vor allem Siege zählen.
Ich kannte den SCB als Gegner und den Eindruck, den es macht, wenn man diese Mauer vor sich hat. Wir waren die „Big Bad Bears“, wir wollten nicht nur gewinnen, sondern unsere Gegner auch einschüchtern und physisch dominieren. Die erste halbe Saison verlief optimal für mich. Wir gewannen den Titel. In der zweiten hatte ich schon im August physische Probleme, es war eine komplizierte Saison, aber es war trotzdem eine bereichernde Erfahrung. Jeden Abend mit dem Druck umzugehen, dass du gewinnen musst, war schon ungewohnt. Die erste Sturmformation des SCB war Dubé-Rüthemann-Sarault, in der Lockout-Saison spielten Dany Heatly und Daniel Brière. Wir hatten eine starke Mannschaft.

Sie stehen mit Biasca vor dem Saisonstart. Wie verlief die Saisonvorbereitung?
Am Anfang haben wir mächtig aufs Gaspedal gedrückt. In den ersten zweieinhalb Wochen haben wir auf und neben dem Eis fast 50 Einheiten absolviert. Es ging darum meine Spieler physisch auf die neue Herausforderung vorzubereiten. Wir sind eine junge Mannschaft und dies diente zur Vorbereitung auf die erste Saison, die man mit „Männern“ bestreitet. Dann hatten die Spieler fünf Tage frei um abzuschalten und vor allem meine Stimme nicht mehr zu hören. (lacht) Nach diesem Break ging es normal weiter. Wir haben auch technisch-taktisch und individuell mit den Spielern gearbeitet.

Wie sind die Eindrücke nach den Vorbereitungsspielen?
Im grossen und ganzen positiv, auch wenn wir zwei Spiele (gegen Ambri und gegen Zug Academy) hatten, in denen die Mannschaft zu viel wollte und übermotiviert war. Wir waren unorganisiert und für unsere Gegner war es ein Leichtes Tore zu schiessen. Wenn wir diszipliniert wie beim Sieg gegen die GCK Lions auftreten, haben wir unsere Chancen. Für die meisten meiner Spieler ist die National League B absolutes Neuland. Man wird in neuen Hallen spielen, nicht mehr vor 200-300 Zuschauern, sondern vor 4'000, die ihre Mannschaft lautstark unterstützen werden. Wir müssen versuchen unsere Emotionen zu kontrollieren und uns nicht ablenken zu lassen. Dies wird sicherlich einige Spiele dauern.

Und jetzt kommt der Hammer. Am 28. September treffen Sie mit Ihrem Team in der ersten Cuprunde ausgerechnet auf den SC Bern, eine Mission Impossible, David gegen Goliath?
Wir müssen es realistisch sehen, die Chancen zu gewinnen sind gering. Doch für meine Jungs ist es die einmalige Gelegenheit sich gegen Spieler zu messen, die sie normalerweise nur am Fernsehen sehen, vor einem ausverkauftem Haus, gegen den Schweizer Meister – dies passiert auch nicht jeden Tag. Wir werden zu beissen haben, aber ich hoffe, dass dies mit einem Lächeln geschieht, unter dem Motto: wir spielen gegen das beste Team der Schweiz, super! Sicherlich werden wir den SCB noch studieren, für mich persönlich eine spezielle Partie, ich habe mit dem SCB einen Titel gewonnen, daran erinnert man sich immer gerne. Ich verfolge den SCB immer und habe mich mit ihnen gefreut, als sie den Titel gewonnen haben. Es wird für mich eine grosse Ehre sein, den SCB bei uns empfangen zu dürfen. Mit einigen Spielern gibt es auch ein Wiedersehen. Ich werde versuchen, meine Jungs bestmöglich auf den SCB einzustellen. Wir wollen unser Publikum nicht enttäuschen.

Von Maurizio Urech