Wiederbegegnung mit Ehlers

21.11.2016

Oftmals sagt man ja, dass der Zufall Regie führt. Bei der Paarung SCL Tigers gegen den Lausanne HC scheint es die Glücksfee gut gemeint zu haben und arrangiert ein Wiedersehen.

Für zwei Leute ist die Affiche besonders speziell. Sowohl der Trainer Heinz Ehlers wie auch der 31-jährige Verteidiger Philippe Seydoux standen einst beim LHC unter Vertrag und sind nun im Emmental daheim. Wir haben mit beiden Protagonisten vor diesem brisanten Spiel gesprochen.

Für Heinz Ehlers wird es kein Spiel wie jedes andere. „Doch an diesem Abend muss ich mich auf das Spiel konzentrieren und nicht wer auf der anderen Spielerbank sitzt“, sagt der Däne. „Ich habe die drei Jahre in Lausanne unglaublich genossen, ich konnte dort etwas aufbauen und schon als ich 2007 in die Schweiz kam, habe ich gesehen, dass es in Lausanne ein grosses Potential gab und es hat mich gefreut, dass ich diese Chance erhalten habe. Es war eine tolle Zeit in Lausanne.“

Ehlers, der die Waadtländer in zwei seiner drei Jahren eher überraschend in die Playoffs führte, sieht auch Gemeinsamkeiten zwischen seinem alten und neuen Club: „Beide Vereine haben ein treues Stammpublikum, das die Mannschaft immer unterstützt. Sowohl in Lausanne wie auch in Langnau sind die Zuschauer solidarisch und stehen voll hinter ihrem Team und es ist für den Gegner nicht angenehm in einer solch angeheizten Atmosphäre spielen zu müssen.“

Lausanne hat einen tollen Saisonstart hingelegt, war zeitweise gar Tabellenführung und ein Spieler hat sich vor allem in den Vordergrund gespielt mit Joël Genazzi. Für Ehlers ist das keine Überraschung. „Genazzi hat schon letztes Jahr einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Ich habe ihm schon immer gesagt, dass er ein grosses Potential hat, wenn er konsequent arbeitet. Er hat alle Qualitäten die es braucht, auch wenn er früher im Sturm gespielt hat. Er ist gross, kann gut Schlittschuhlaufen und hat auch einen guten Schuss. Ich wäre nicht überrascht, wenn er es diese Saison bis an die WM schaffen würde. Lausanne hat die Basis zum Erfolg in den letzten Jahren mit der Trainingskultur gelegt, die Arbeitseinstellung hat sich verändert. Natürlich hat Lausanne auch davon profitiert, dass andere Teams wie Davos und Lugano einen schlechten Start hinlegten, doch die Mannschaft hat sicherlich das Potential um die Qualifikation unter den ersten sechs zu beenden.“

Doch nun ist er nach einem schwachen Saisonstart zu den SCL Tigers geholt worden. Dass die Playoffs eher Wunschtraum als realitätsnah sind, weiss auch Ehlers.

„Ich glaube wir müssen realistisch bleiben, für uns geht es einfach darum möglichst viele Punkte bis zum Ende der Qualifikation zu sammeln um die Playouts zu vermeiden“, so Ehlers. „In unserer Situation müssen wir von Spiel zu Spiel schauen, aber gleichzeitig bewusst sein, dass jeder einzelne Punkt in der Endabrechnung wichtig sein kann. Es wird ein verdammt harter Weg. Ich habe eine Mannschaft vorgefunden, die ihr Selbstvertrauen verloren hatte, dies nach einer Serie unglücklicher Niederlagen. Ich habe etwas im Defensivbereich geändert, aber das Wichtigste ist die harte Arbeit jeden Tag. Nur wenn wir an unseren Abläufen arbeiten, diese wiederholen bis sie zu Automatismen werden, haben wir eine Chance unsere Ziele zu erreichen.“

Der Cup könnte eine einmalige Chance für Langnau sein, endlich wieder etwas zu gewinnen, denn bei einem Sieg gegen Lausanne am 22. November winkt ein Platz im Halbfinal.

„Momentan hat die Liga zwar Priorität, natürlich weiss ich aber genau, dass der Cup auch eine Chance ist für den Verein Geld zu verdienen“, so Ehlers. „Natürlich werden wir an diesem Abend alles geben um zu gewinnen. Ich will jedes Spiel gewinnen, doch wir wissen auch dass es unheimlich schwierig wird gegen einen verdammt starken Gegner, der mit viel Selbstvertrauen ins Emmental kommen wird.“

Der Verteidiger Philippe Seyodux, der 2003 von den Ottawa Senators an 100. Stelle gedraftet wurde, aber nie NHL oder AHL gespielt hat, stieg 2012/13 mit den Waadtländern in die NLA auf und hat nun in Langnau seinen früheren Trainer Ehlers zurück. Für ihn war die Rückkehr in die NLA nach einem Jahr in der NLB mit Langenthal nicht schwierig: „Es galt sich wieder anzupassen, neue Spieler und den Coach kennenzulernen. Alles beginnt wieder bei null und man gewöhnt sich relativ schnell wieder an das NLA-Niveau.“

Nach einem harzigen Saisonstart mit vielen unglücklichen Niederlagen und verspielten Führungen klappt es unter Ehlers besser. „Ehlers hat einen grossen Anteil an unseren Erfolgen. Er hat uns ein Spielsystem beigebracht, das immer weiter perfektioniert wird. Wir haben klare Richtlinien an denen wir uns festhalten können. Dies beginnt in jedem Training. Er fordert viel. Wenn eine Übung nicht korrekt ausgeführt ist, wird diese wiederholt bis es klappt. Und diese Disziplin setzten wir dann auf dem Eis um“, erklärt Seydoux.

2013 war er mit den Waadtländern in den NLA aufgestiegen und spielte zwei weitere Saisons dort. Auch für ihn wird das Wiedersehen speziell.

„Natürlich ist der Aufstieg eine schöne Erinnerung an meine Zeit in Lausanne, aber es ist ja nicht so, dass ich eben erst von Lausanne nach Langnau gewechselt bin. Die Mannschaft hat sich seither verändert, aber richtig ist, dass ich noch mit diversen Spielern im Kontakt bin,“ sagt er, „speziell ist es jeweils wenn wir in Lausanne spielen.“

Seydoux ist sich aber bewusst, dass es eine schwierige Aufgabe wird gegen eines der Überraschungsteams des Hockeyherbstes.

„Lausanne hat einen bärenstarken Saisonstart hingelegt. Man sieht, dass die Mannschaft viel Qualität hat und mit entsprechend viel Selbstvertrauen spielen sie jetzt. Aber wir müssen uns sicherlich nicht verstecken. Aktuell spielen auch wir sehr gut, daher haben wir alle Chancen um weiterzukommen“, sagt er und schwärmt von der Atmosphäre. „An beiden Orten sind die Fans sehr passioniert. In Lausanne würde ich diese eher als urban bezeichnen, hier in Langnau eher als ländlich. Es ist sehr angenehm in einer solchen Atmosphäre spielen zu dürfen. An beiden Orten merkt man am Matchtag die Vorfreude auf das Spiel. Hier in Langnau kennt sowieso jeder jeden und man wird auch darauf angesprochen.“

Der Cup kann den Emmentalern neue Hoffnung geben nach dem verkorksten Saisonstart, doch auch die Playoffs sind für ihn noch nicht abgeschrieben: „In der Mannschaft haben wir von Anfang an daran geglaubt, dass wir uns für die Playoffs qualifizieren können. Es fehlen ja noch etwa 30 Spiele bis zum Ende der Qualifikation und wir kommen je länger umso besser in Fahrt. Ich sehe keinen Grund, wieso wir nicht an die Playoffs glauben sollten.“

Von Maurizio Urech