SC Langenthal hat jetzt „sogar noch weniger“ zu verlieren

15.11.2016

Jeffrey Füglister (91) im Achtelfinal gegen den HC Lugano

Der SC Langenthal wird am Mittwoch als einziges noch im Wettbewerb stehendes unterklassiges Team auf den EHC Kloten treffen. Der B-Ligist träumt von einer Fortführung des Cupmärchens, der beste Cuptorschütze Jeffrey Füglister sagt aber auch: „Wir bleiben realistisch.“

Der SC Langenthal hat das erste Cupmärchen in der neuen Geschichte des Schweizercups geschrieben. Wer einen halben SCB oder einen halben HCD aus dem Cup wirft, verdient zwar Respekt, beim Sieg des SC Langenthal über Lugano war aber kein Star mit dem Pausieren beschäftigt. Der SCL hat gegen das grosse Lugano auf die für einen Cupmatch typische Art und Weise gewonnen: Abschlussglück, Emotionen und das Unterschätzen des Gegners auf Seite des Favoriten. Damit haben die Oberaargauer bewiesen, dass es Cupmärchen nicht nur im Fussball, sondern auch im Eishockey geben kann. Das Unterschätzen des Favoriten könnte nun im Viertelfinal gegen den EHC Kloten aber als Zutat für einen möglichen Sieg fehlen, findet auch Jeffrey Füglister. „Sie haben unser Resultat gegen Lugano gesehen und werden wahrscheinlich voll und ganz bereit sein. Aber wir können frei aufspielen und haben jetzt sogar noch weniger zu verlieren als schon gegen Lugano.“ Ganz unmöglich sei ein erneuter Sieg damit nicht, aber „wir wollen auch realistisch bleiben.“ Kloten ist nämlich nicht zuletzt auch wegen einer Testspiel-Niederlage in der diesjährigen Vorbereitung gewarnt. Zwar erhält dieses im Vergleich mit einem Pflichtspiel kaum Wert zugetragen, aber immerhin gewann der SCL damals am 19. August mit 5:3. Aber, Kloten sei laut Füglister weiterhin ein Top-NLA-Team, welches sich gegen ein Spitzen-NLB-Team durchsetzen sollte.

SMS an die Ex-Junioren-Kollegen
Für Jeffrey Füglister war schon dieses Testspiel speziell. Er selbst ist nämlich rund 10 Minuten neben dem Schluefweg, der heutigen Swiss Arena, aufgewachsen und absolvierte sämtliche Juniorenstufen im Nachwuchs des EHC Kloten. Dass er jetzt auch noch in einem Ernstkampf gegen seinen Heimatverein antritt, ist für ihn eine spezielle Sache. „Der Bezug ist über die Jahre zwar ein bisschen kleiner geworden, aber Kloten hat immer ein Platz in meinem Herzen“, erklärt Füglister. Mittlerweile wohnt er in Zürich, seine Eltern hingegen aber weiterhin in Kloten. „Mit Denis Hollenstein und Roman Schlagenhauf habe ich noch in den Junioren zusammengespielt. Ich denke, ich werde ihnen vor dem Match noch ein SMS schreiben“, sagt Füglister mit einem Lachen. Und so ist das Cuplos Kloten für ihn persönlich das vielleicht Bestmögliche. „Ein Team aus der Region hätte vielleicht mehr Zuschauer gebracht“, sagt Füglister als einzigen Negativpunkt dieser Auslosung. Nach dem Cuperfolg gegen Lugano hoffe er aber sowieso auf möglichst viele Zuschauer für den Viertelfinal. Vielleicht gebe es ja sogar einen ausverkauften Schoren.

Der beste Torschütze des Wettbewerbs
Das wiederum könnte auch Füglister für die nächsten Topleistungen beflügeln. Aktuell ist der Langenthaler Stürmer nämlich der beste Torschütze des diesjährigen Schweizer Cups. Er und Josh Holden vom EV Zug haben in zwei Spielen insgesamt vier Tore erzielt. Während Holden alle vier Tore gegen den Erstligisten Wiki-Münsingen im Sechzehntelfinal erzielte, traf Füglister zwei Mal gegen den Erstligisten Brandis und zwei Mal gegen den Vizeschweizermeister Lugano. „Cup spielen macht Spass“, sagt Füglister, der sich dieser Rangierung nicht bewusst war. „Wer die Tore schiesst ist ja auch egal. Ich würde sonst auch 60 Minuten auf die Bank sitzen, wenn wir gewinnen“, sagt der SCL-Stürmer teamdienlich. Ganz klar sei aber die Vorfreude auf dieses besondere Spiel besonders gross. „Ich finde den Cup toll. Und solche Underdogsiege machen, es noch etwas spezieller“, erklärt der Flügel. Für den Unterklassigen, wie in diesem Moment Langenthal, sei es eine Möglichkeit gegen ganz grosse Teams zu spielen. Und jene Teams haben immerhin die Chance einen weiteren Pokal zu gewinnen. „Der Sieg gegen Lugano hat der Region gut getan“, sagt Füglister und unterstreicht damit den Stellenwert des Cups in der NLB. Es sei eine schöne Belohnung für die Arbeit rund um und im Verein gewesen.

„Wir können mithalten“
Noch mehr Belohnung für die weiterhin gute Arbeit wäre logischerweise nicht zu verkennen. Mit dem Sieg gegen Lugano im Rücken werde das laut Jeffrey Füglister gegen Kloten aber keineswegs einfacher. „Es gibt einen Grund, dass diese Spieler in der NLA spielen und wir in der NLB“, erklärt der 26-Jährige. Der grösste Unterschied macht er in der Konsequenz vor dem gegnerischen Tor aus, aber auch in Punkto Schnelligkeit gebe es durchaus Unterschiede. Aber: „Wir können auch schnell spielen und mithalten“, sagt Füglister und zeigt sich überzeugt, dass ein Sieg auch in diesem Spiel nicht unmöglich sein wird. „Aber wir bleiben bodenständig und realistisch“, wiederholt Füglister. Die Zutaten für den Sieg kennt der SCL zumindest jetzt. Es sind Abschlussglück, Emotionen und vielleicht trotzdem eine Prise Überraschung über die Stärke des B-Ligisten beim Favoriten aus der NLA.

Von Leroy Ryser