Florian Conz: «In der Ajoie zu spielen ist nie einfach»

16.09.2016

Zurück nach rund 10 Monate Verletzungspause aufgrund einer Hirnerschütterung konnte sich Florian Conz über einen gelungenen Saisonstart freuen. Dies mit dem Sahnehäubchen, dass «sein» Lausanne HC unter dem neuen Trainer Dan Ratushny Siege sammelt. Doch der jurassische Stürmer bleibt mit beiden Füssen auf dem Boden und ist vor jedem Gegner auf der Hut, nicht zuletzt vom HC Ajoie, auf welchen seine Mannschaft in der ersten Runde des Swiss Ice Hockey Cups trifft.

Florian Conz versteckt seine Vorfreude nicht: «Ich spürte natürlich schon Emotionen als ich erfuhr, dass wir den HC Ajoie in der 1. Cup-Runde begegnen würden. Er ist mein Stammclub, der Ort, wo ich lernte Schlittschuh zu laufen und Eishockey zu spielen. Die Jugenderinnerungen bleiben ein Leben lang.»

Doch der 31-jährige Stürmer, der für den jurassischen Club zwischen 2000 und 2003 in der NLB spielte bevor er an den Genfersee wechselte, beweist auch Misstrauen. «Wir alle wissen, dass es kompliziert wird und dass die Partie nicht von vornherein gewonnen ist. Im Voyeboeuf zu spielen vor dem heissblütigen Publikum ist nie einfach», warnt er.

Der HC Ajoie durchlebt eine euphorische Phase nach dem überraschenden NLB-Meistertitel im Frühling. Es war ein verrücktes Abenteuer, das Florian Conz als guter Jurassier angemessen auskostete. «Ich habe das alles aus der Ferne mitverfolgt», gesteht er, «aber das hinderte mich nicht daran mich zu freuen. Ich bin sehr froh für den Club, der es geschafft hat, den ganzen Kanton hinter sich zu mobilisieren. Was sie geschafft haben, ist wirklich schön.»

Nach dem Rücktritt von Steven Barras ist Jordane Hauert noch der Einzige, der aus der Ära geblieben ist als Florian Conz das Trikot des HCA trug. Den Rest der Mannschaft, sagt er, kenne er nicht wirklich, «dafür zahlreiche Personen, die für den Clubs arbeiten.»

Doch wenn er an den 28. September an die Eishalle Voyeboeuf denkt, ist ihm einzig wichtig, mit einem Sieg zurückzukehren. «Wir haben nicht wirklich ein präzises Ziel vereinbart für den Schweizer Cup. Wir nehmen es Spiel für Spiel, wie letzte Saison, was uns erlaubte ins Finale vorzustossen», blickt er zurück. Erst die ZSC Lions stoppten die Lausanner mit einem 4:1-Sieg im Finale.

Noch mehr Zeit nötig 
Der Mann aus Fontenais feierte zum Saisonstart eine richtige Renaissance auf dem Eis. Am 21. November 2015 erlitt er eine Hirnerschütterung, die seine gesamte letzte Saison vorzeitig beendete. Es waren Monate des Zweifels, in welchen er nie richtig wusste, ob er eines Tages wieder Eishockey spielen können würde.

«Es war nicht selbstverständlich, denn es gibt nicht viel zu tun ausser abwarten. Doch das ist Teil des Berufsrisikos. Heute bin ich froh, einfach normal leben zu können», erklärt er.

Doch die langen Monate ohne Spielpraxis haben Spuren hinterlassen, die er Schritt für Schritt aufholt. «Ich benötige noch Zeit um mein Potenzial zu erreichen, aber ich fühle mich auf gutem Wege. Ich habe keine Symptome mehr, aber fast neun Monate ohne Spielpraxis hinterlassen zwangsweise Spuren. Ich habe Freude, wieder trainieren und spielen zu können, davon versuche ich so gut wie möglich zu profitieren. Aber ich muss noch die Automatismen finden und ein gewisses Selbstvertrauen», erklärt er, wohlwissend über den Weg, der noch vor ihm steht um an sein gewohntes Niveau anzugelangen.

Neue Ideen
Zuletzt vermehrt für Defensivaufgaben eingesetzt, war Florian Conz während seiner Zeit in der NLB ein regulärer Torschütze. In seiner besten Saison holte er mit dem LHC während der Saison 2012/13 58 Punkte (18 Tore, 40 Assists) in 61 Spielen. Es war die Aufstiegssaison. Nach drei Jahren unter Heinz Ehlers, erhofft sich der frühere U20-Nationalspieler seine Form in der Offensive wiederzufinden. «Der Trainerwechsel ist eine Chance für jeden Spieler um sich zu profilieren», sagt er dazu.

Doch was bringt der Wechsel zum neuen Trainer Dan Ratushny konkret mit sich? «Er bringt neue Ideen ein und neue Übungen im Training. Er verlangt andere Sachen von den Spielern im Angriff, was mental gut tut. Aber wir müssen die Füsse am Boden behalten. Es ist erst der Beginn einer langen Saison», sagt er.

Doch die Saison mit Siegen und der Tabellenführung zu starten, ist gewiss angenehm. «Es gibt sicherlich öfters ein Lächeln auf unseren Gesichtern», sagt er.


Von Christian Kobi