Ein Spiel mit viel Geschichte

30.09.2015

Heute treffen die ZSC Lions auswärts auf den EHC Chur. War dies in den Jahren zwischen 1980 und 2002 ein Spiel mit viel Unterhaltungswert, hat sich dies seit dem Konkurs des damaligen EHC Chur geändert. Aktuell spielt Chur in der 1. Liga und ist im Cup gegen die ZSC Lions der Aussenseiter.

Wer erinnert sich nicht an den Namen Renato Tosio, Reto Dekumbis und Thomas Vrabec? All dies sind Spieler, welche beim EHC Chur spielten und in den glorreichen Jahren in der Bündner Hauptstadt eine entscheidende Rolle einnahmen. Heute braucht es einen Cup, um die Churer wieder einmal gegen einen Oberklassigen spielen zu sehen. Die oft zitierten «guten alten Zeiten» gehören aktuell nicht mehr zum EHC Chur. Diese sind beim ehemaligen Liftklub, den ZSC Lions zurückgekehrt. Lange mussten die Stadtzürcher immer wieder den Gang in die NLB aufnehmen und spielte in dieser oft gegen den EHC Chur oder wurde durch diesen ersetzt. Die Spiele dieser beiden Clubs hatten durchaus Derby-Charakter. Intensiv, hart und teilweise überbordend.

Diese Zeiten sind vorbei und der EHC Chur verschwand ausserhalb Graubündens für viele Hockeyfans von der Bildfläche. Und doch bietet der Club vielen jungen Spielern dir Möglichkeit, sich zu entwickeln und später in die NLA zu schaffen oder, wie der aktuell wohl bekannteste Churer, Nino Niederreiter, in die NHL kommen. «Ich verdanke dem EHC Chur sehr viel», erklärt der nun 23-Jährige. «Ohne diesen Club hätte ich es nie soweit geschafft. Vor allem meinen ehemaligen Junioren-Trainern habe ich viel zu verdanken.»

Auf die Frage, ob er es bereut, nicht beim Cup-Spiel anwesend sein zu können, meint er, dass er dies sehr gerne würde, doch in dieser Woche laufen die Trainingslager in der NHL. «Ich bedaure, dass ich deswegen nicht dabei sein kann. Aber irgendeinmal werde ich dies sicher schaffen.» Der letztes Jahr neu geschaffene Cup verfolgt der Churer via Internet. «Wenn ich nicht auf dem Eis stehe oder ein Training habe, werde ich sicher im Internet schauen.»

Auf dem Eis stehen dürfte indes Mathias Seger. Seit zehn Jahren hat der gebürtige St. Galler bei den ZSC Lions das Amt des Captains inne und erlebte in dieser Funktion viel. Bevor der beim EHC Uzwil gross gewordene Seger zu den Zürchern wechselte, spielte dieser beim SC Rapperswil-Jona. In Rapperswil konnte er das nötige Rüstzeug für höhere Aufgaben erlernen. Nach dem Abgang von Mark Streit in die NHL übernahm Seger dann das Captainamt.

«Ich finde es gut, dass wir wieder einen Cup haben. Doch dieser hat noch nicht die gleiche Ausstrahlung wie dies in anderen Sportarten der Fall ist. Doch in den kommenden Jahren wird sich dies sicher ändern», sagt Seger.

Auf die Frage, ob denn die ZSC Lions der Favorit in diesem Spiel sei, antwortet er diplomatisch: «Auf dem Papier sicher. Doch der Cup hat seine eigenen Gesetze. Und dies dürfen wir nicht vergessen, auch wenn wir als Favorit in die Partie gehen.»

Für Seger ist der neue Wettbewerb eine gute Sache: «Die Cup Idee ist durchaus sinnvoll. Damit können die Teams der unteren Ligen einmal gegen ein Team aus der NLA oder NLB spielen und daraus viel lernen. Dies wiederum bringt das Schweizer Hockey insgesamt wieder einen Schritt weiter. Alles in allem sehe ich den Cup als Bereicherung.»

Bereits zu den Zeiten der Römer war Chur eine Siedlung und wurde im 4. Jahrhundert nach Christus zum ersten Bistum nördlich der Alpen ernannt. Daneben ist auch die Altstadt in Chur einen Besuch wert. Nicht nur wegen der Kathedrale. Beide Spieler stimmen denn auch unisono überein, dass Chur «die wohl schönste Altstadt der Schweiz» hat. So gesehen ist Chur nicht nur wegen des Eishockeys einen Besuch wert.

Von Urs Berger