SC Bern und Kloten Flyers - zwei der Schweizer „Original Six“ im Cupfinal

10.02.2015

Meistertitel EHC Kloten 1996 (Keystone)

SC Bern gegen die Kloten Flyers - das ist ein Cupfinal zwischen zwei der traditions- und erfolgreichsten Klubs der Schweizer Eishockey-Geschichte. Sie gehören, wenn man so will, zu den „Original Six“ unseres Eishockeys. Der Begriff der „Original Six“ stammt aus der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) und ist die Bezeichnung für eine ganz spezielle Ära der weltbesten Liga. In dieser spielten von 1942 bis 1967 nur sechs Mannschaften: Montreal, Toronto, Boston, Chicago, Detroit und die New York Rangers. Im Sommer 1967 ging dieser legendäre Zeitabschnitt mit der Ausweitung der NHL auf zwölf Mannschaften zu Ende.

Klotens einsamer Rekord

In der 1937 gegründeten Schweizer Nationalliga spielten sechs Mannschaften vierzig und mehr Saisons in der NLA, die heute National League A genannt wird: Der SC Bern 66 Saisons, Davos und die ZSC Lions je 62, die Kloten Flyers 53, Ambri-Piotta 49 und Langnau 40. Die Kloten Flyers halten zudem einen einsamen Rekord. Sie stiegen 1962 in die höchste Spielklasse auf und seither nie mehr ab. Ihre 53 Meisterschaften in Serie werden von den ZSC Lions und Fribourg-Gottéron  (je 35), Davos und Lugano (je 33), Ambri-Piotta (30) und dem SC Bern (29) nicht annähernd erreicht. Die Kloten Flyers und der SC Bern haben überdies eine Gemeinsamkeit. Beide stiegen am „Grünen Tisch“ in die oberste Liga auf: Kloten 1962, weil die damalige NLA von acht auf zehn Mannschaften aufgestockt wurde und der SCB 1986, als er nach der NLB-Finalniederlage gegen Chur vom Rückzug des EHC Arosa profitierte.

Erst einmal um einen Titel

Der SC Bern und die Kloten Flyers haben nur in der National League A gegeneinander gespielt. In 212 Spielen gab es 118 SCB-Siege, 22 Unentschieden und 72 Klotener Erfolge. Seit der Einführung der Playoffs 1986 entschieden beide Mannschaften je vier Playoff-Direktbegegnungen für sich. Um den Meistertitel kämpften sie jedoch nur ein einziges Mal gegeneinander: 1996, als die Zürcher mit 3:0 Siegen in einer Best-of-3-Finalserie ihren vierten Titelgewinn in Serie feierten. Nach einem 2:1 und 6:4 liessen sie dem SCB im dritten Spiel keine Chance und gewannen im ausverkauften Allmendstadion dank fünf Toren in den ersten 31 Minuten mit 5:1. Der Schlüssel zum bisher letzten Meistertitel war die Aufholjagd der Klotener in ihrem einzigen Finalheimspiel. Zehn Minuten vor Schluss führten die Berner noch mit 3:1, dann aber wurden sie vom Klotener Paradeblock mit Bruderer (1 Tor), Klöti, Johansson (2 Tore/2 Assists), Wäger (2/1) und Hollenstein (0/3) ausgespielt und konnten die Wende zum 6:4 nicht abwenden.

SCB beendete La Chaux-de-Fonds Ära

So wie Kloten 1996 in Bern wurde auch der SCB einmal in Kloten Meister. Es war in der Saison 1973/74, als es die Playoffs noch nicht gab. Die Meisterschaft wurde von acht Mannschaften bestritten und in nur 28 Runden mit dem Zweipunktesystem entschieden. Vor dem letzten Spieltag führten die Berner mit einem Punkt Vorsprung vor La Chaux-de-Fonds die Rangliste an. Die Neuenburger erfüllten mit einem 5:2-Heimsieg gegen Langnau ihre Pflicht. Der SCB war somit gezwungen in Kloten den Tabellensiebten ebenfalls zu bezwingen. Bis 17 Minuten vor Schluss befand sich der Aussenseiter auf dem Weg zu einer Riesenüberraschung. Er führte mit 3:2 und zu diesem Zeitpunkt war La Chaux-de-Fonds Meister. Zwischen der 43. und 54. Minuten drehten aber die Berner mit Toren von Cadieux, Hugo Leuenberger und Dellsperger das Spiel und beendeten mit einem 5:3-Sieg die Ära von La Chaux-de-Fonds als sechsfacher Meister in Serie.

Die Rivalität begann vor 52 Jahren

Aufgrund der Tradition und der Erfolge gehören Spiele zwischen dem SC Bern und den Kloten Flyers zu den „Klassikern“ des Schweizer Eishockeys. Die Rivalität begann vor über 52 Jahren mit dem ersten NLA-Meisterschaftsspiel am 2. Januar 1963. Aufsteiger Kloten hielt bis zehn Minuten vor Schluss erstaunlich gut mit (4:5), dann sorgte der überragende SCB-Spielmacher Peter Stammbach mit seinem dritten und vierten Tor an diesem Abend für die Entscheidung. Das Matchtelegramm:

EHC Kloten - SC Bern 4:7 (2:3, 1:2, 1:2)

Kunsteisbahn Waldstadion. 4500 Zuschauer. Tore: 5. Marti 0:1. 8. Stammbach (in Unterzahl) 0:2. 12. Ueli Lüthi 1:2. 13. Walter Wipf 2:2. 16. Stammbach 2:3. 21. Altorfer 3:3. 32. Werner Künzi 3:4. 36. Werner Künzi 3:5. 46. Heinz Lüthi 4:5. 50. Stammbach 4:6. 58. Stammbach 4:7.

EHC Kloten: Grimm; Kurt Wipf, Ehrensperger; Leemann, Meier; Ueli Lüthi, Peter Lüthi, Heinz Lüthi; Weber, Walter Wipf, Altorfer.

SC Bern: Kiener; Rüegg, Andreas Künzi; Nobs, Werner Künzi; Diethelm, Stammbach, Müller; Roger Schmidt, Peter Schmidt, Kuhn; Marti, Becher.

Bemerkungen: Das erste Drittel wurde nach 18 Minuten und 30 Sekunden wegen einer Kopfverletzung von SCB-Torhüter René Kiener vorzeitig beendet. Die anderthalb Minuten wurden im Mitteldrittel nachgeholt.

Werner Haller