„Bärner Giele“ stoppen Villars’ Retortenteam

05.09.2014

SCB-Torhüter René Kiener. Foto: Archiv SCB Jüre Wymann

Die Eishockeybegeisterung der Berner kannte im Februar des Jahres 1965 keine Grenzen. Innerhalb von nur zwölf Tagen gewann der SC Bern den Meistertitel und den Schweizer Cup.

In den entscheidenden Spielen hiess der Gegner jeweils Villars. Den Meistertitel eroberten sich die Berner mit einem 3:0-Sieg in Villars und den Cup mit einem 5:2-Triumph in Visp.

Auf das Double, das zweite von insgesamt drei nach dem Zürcher SC 1961 und den Zürcher Grasshoppers 1966, sind die Berner noch heute ganz besonders stolz. Der kanadische Coach „Sir“ Ed Reigle, Teamchef und Konditionstrainer Max Sterchi und Präsident Werner Kohler hatten eine aus lauter „Bärner Giele“ bestehende Mannschaft zusammengestellt.

Torhüter René Kiener, Captain Kurt Nobs, Peter Stammbach, Rolf Diethelm, die Gebrüder Künzi, Schmidt und Zurbriggen, Max Rüegg und wie sie alle hiessen, hatten das Eishockey-Abc auf der legendären Ka-We-De, der Kunsteisbahn am Dählhölzliwald, erlernt.

Villars hingegen war eine Retortenmannschaft, ermöglicht durch die grosszügige Unterstützung der französischen Familie Potin. Diese finanzierte neben der Kunsteisbahn auch die Verpflichtung von Führungsspielern wie Roger und Maurice Chappot, Roland und Marcel Bernasconi (alle von Genf-Servette), André und René Berra (beide von Champéry) und Goalie Gérald Rigolet (von Lugano).

Die Investitionen zahlten sich aus: 1961 Erstligameister und Aufstieg in die NLB; 1962 NLB-Meister und Aufstieg in die NLA; 1963 und 1964 Schweizer Meister. Erst dem SCB gelang es im Februar 1965 den beeindruckenden Siegeszug der Waadtländer zu stoppen. Die Berner qualifizierten sich mit einem 4:1-Heimsieg gegen die Zürcher Grasshoppers, mit 4:3 nach Verlängerung in Lugano und einem 9:2-Erfolg gegen den Zürcher SC für den Final gegen Villars. Dieser wurde nach Visp vergeben, weil sich die beiden Endspielteilnehmer nicht über den Austragungsort einigen konnten.

Vor 3500 Zuschauern war die erste Angriffslinie der Berner mit Beat Kuhn, Roger und Peter Schmidt massgeblich am Erfolg beteiligt. Das Trio sorgte für die Wende von 0:1 auf 2:1 und den Siegestreffer zum 4:2. Der SCB, fand der legendäre Eishockeyjournalist und Radioreporter Henry Eggenberger im „Berner Tagblatt“, sei nicht nur die ausgeglichenere, sondern auch die frischere Mannschaft gewesen. Dies wurde nur zwei Tage nach dem Gewinn des Schweizer Cups bestätigt, als der SCB auch noch den Final um den Kantonalcup gegen den B-Ligisten Langenthal mit 7:2 für sich entschied. 4800 Zuschauer schauten sich das Derby auf der Ka-We-De an und sie konnten ausgiebig feiern.

Bereits vor dem Kantonalcupfinal erhielten die Berner von André Sandoz, dem Präsidenten des Nationalligakomitees, den Meisterpokal überreicht. In Villars war eine Ehrung des neuen Meisters unmöglich gewesen. Nach dem Spiel waren die SCB-Spieler auf der Eisfläche von einigen ihrer Fans richtiggehend überrumpelt worden. Im Kluborgan wurden die chaotischen Zustände denn auch hart kritisiert: „Wir müssen uns für etliche Fans, die alle Grenzen des Anstandes sprengten, schämen. Wie schon oft war es wieder eine Minderheit, welche die anständigen SCB-Schlachtenbummler desavouierten.“ Schon vor 49 Jahren hatte man sich mit besonders fanatischen Anhängern zu befassen.

Das Cupfinal-Telegramm:

SC Bern - Villars 5:2 (3:1, 0:1, 2:0)

Kunsteisbahn Visp. – 3500 Zuschauer. – Schiedsrichter: Müller/Gysler. – Tore: 2. Daniel Piller 0:1. 4. Peter Schmidt (Kuhn, Roger Schmidt) 1:1. 10. Roger Schmidt (Peter Schmidt) 2:1. 17. Müller (Messerli) 3:1. 32. Wirz (René Berra) 3:2. 51. Peter Schmidt 4:2. 52. Hans Zurbriggen (Nobs) 5:2. – Strafen: SC Bern 5-mal 2 Minuten; Villars 3-mal 2 Minuten.

SC Bern: René Kiener; Max Rüegg, Res Künzi; Kurt Nobs, Werner Künzi; Beat Kuhn, Roger Schmidt, Peter Schmidt; Rolf Diethelm, Peter Stammbach, Peter Zurbriggen; Max Müller, Paul Messerli, Hans Zurbriggen; Walter Haemmig. Ersatztorhüter: Roland Buchser. Trainer: Ed Reigle (Ka). TK-Chef und Konditionstrainer: Max Sterchi.  

Autor: Werner Haller